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Bericht zur Bodennse Tour 2007 von Marieluise!

Besten Dank an Marieluise (ist das so richtig geschrieben?) für diesen tollen Bericht! Einzig die Datierung gibt mir immer noch Rätsel auf...

Radtour um dem Bodensee Pfingsten 2008

Zum Mutterglück verhalfen mir zwei Männer – und eine Frau.
Impressionen einer Debütantin

Ostern Rad nach 20 rad-losen Jahren neu erworben und Pfingsten gleich so eine Tour: Konnte das gut gehen? Alle sagten: 30 Kilometer sind nicht so wild, das schaffst du schon. Und siehe da: Es hat geklappt.

Die erste Hürde war das Transport-Problem nach Kreuzlingen. Klaus und Vibhuta haben mir eine lange und komplizierte Zugfahrt erspart. So konnten wir wohlgemut am Samstagmorgen losfahren. Der Treffpunkt war schnell gefunden. Fahrräder abgeschnallt und ab in die Kneipe.

Erst mal schauen, wer so da ist. Oje, die sind teilweise so fahrradprofessionell gekleidet! Die sind bestimmt ganz besonders geübt! Hilfe, wo ist der Notausgang! Sicherheitshalber aber lässig gucken.

Pit macht eine sehr freundliche Vorstellungsrunde. Leider geht der eine Teil im Verkehrslärm unter, der andere im für mich fremden Schweizer Zungenschlag. In den drei Tagen habe ich mich dann ganz gut eingehört. Und ein paar neue Worte gesammelt. Da konnte man zum Beispiel „Stangen“ und „Kübel“ bestellen. Wenn ich das in einer bundesdeutschen Kneipe versuche… Die bringen mir glatt den Spucknapf.

Und jetzt wird’s ernst. Meine Ausrüstung mit Tasche und Rucksack ist nicht optimal gewählt. Deshalb bekomme ich das freundliche Angebot, die Sachen aus meiner Tasche in eine Satteltasche umzupacken. Danach passt aber das Körbchen nicht mehr auf den Gepäckträger. Körbchen also in den Kofferraum, Rucksack auf den Gepäckträger geklemmt. Es wäre mir fast zum Verhängnis geworden (hört sich doch schön gefährlich an). Die erste Gruppe von Ungeduldigen ist schon lange weg, da machen sich die letzten auf den Weg. Und bei den Letzten werde ich bald zur Letzten. Schön, dass Pit sich meiner annimmt. Gerade als ich sagen will, er soll doch ruhig weiterfahren, denn bei der guten Ausschilderung des Weges könnte ich mich doch nicht verirren, fällt mein Rucksack vom Gepäckträger, bleibt mit einer Schlaufe hängen, es macht kurz ssssssssst – und ich habe einen platten Reifen. Nun bloß nicht die Ruhe verlieren. Wie gut, dass ich nicht alleine mit dem Problem bin. Erst mal den Schaden begutachten: Es hat das Ventil rausgeknallt. Wenn ich Glück habe, ist der Schlauch heilgeblieben. Wo aber ist das Ventil? Schnell sind Ventil und kleiner Schraubverschluss gefunden. Verschwunden aber bleibt die Schraube, die alles zusammenhält und dafür sorgt, dass die Luft nicht wieder entweichen kann. Andere werden es besser wissen: Ich nenne das Teil „Mutter“. Gut, dass wir in modernen Zeiten leben. Also Annette übers Handy angerufen und gefragt, ob Klaus nicht ein Ersatzventil oder eine „Mutter“ habe. Denn ich habe gehört, dass Vibhuta ihm die Werkzeugtasche gegeben hat. An der Dauer unseres Wartens auf Klaus können wir ermessen, wie weit die anderen schon gekommen sind. Dann aber ist das Problem schnell gelöst. Aus einem der beiden Ersatzschläuche, die Klaus mitbringt, das Ventil entnehmen, aufgeschraubt und aufgepumpt. Glück gehabt. Der Schlauch hat nichts abbekommen. So verhelfen mir zwei Männer zu „Mutter“glück – und eine Frau. Denn den vorausschauenden Ersatzteil-Einkauf hat die treusorgende Vibhuta getätigt.

Danach geht’s zu dritt weiter, um die Gruppe vor uns wieder einzuholen. Auskunft über deren Verbleib gibt ein sms von Annette. „Wir sind im Sonnenhüsli in den Kirschfeldern“. Eine irritierende Angabe. Oder hat jemand schon mal Kirschen auf Feldern wachsen sehen? Als Pfadfinder bewähren wir uns und finden die anderen bei Schorle und Bier.

Die nächste Rast wird dann in Arbon gemacht. Vorher fahren wir an den tollsten Villen vorbei mit traumhaften Gärten. Ein Haus, das von lauter weißen Rosen umgeben ist und dessen Rückseite an den See grenzt, hat es mir besonders angetan. Da würde ich doch gerne als Dornröschen wachgeküsst werden! Arbon wirkt ein wenig mondän. Die Strandpromenade ist wunderschön. Die erste Gelegenheit, ganz nah am Wasser zu sein. Auf dem Weg hierhin war das Panorama der Berge stetig näher gerückt. Jetzt sitzen wir beim Eis und schauen auf See und Berge. Ein wunderbarer und entspannender Anblick.

Die letzte Tagesetappe führt uns bis Rorschach. Kurz noch die Solarkunst-Hütten am Wegesrand besichtigt und schon sind wir da. Ab ins Hotel und unter die Dusche. Ich zähle meine Knochen und Muskeln und stelle erstaunt fest, dass alles noch da ist und nicht mal dramatisch beschädigt! Da es kein anderer tut, klopfe ich mir selbst anerkennend auf die Schulter!

Ein bisschen Muße auf einer Bank mit Blick auf den See genießen und Antreten zum Abendessen. Angesichts der Hitze in der Pizzeria wird es mit dem Essen-Fassen etwas mühsam. Aber danach lässt sich noch in Ruhe etwas im Freien trinken und mit Adrian über science fiction diskutieren.

Im Hotel halten mich zunächst Sphärenklänge vom Schlafe ab. Ich dachte immer, Harfen gehören zu den Engeln. War’s vielleicht doch zuviel? Beim Frühstück klärt sich das Rätsel. Eine Frau spielt den Damen an der Rezeption zum Abschied etwas auf der Reiseharfe vor. Warum die allerdings um Mitternacht bei offenem Fenster üben musste? … Ein üppiges Frühstück mit Brötchen, Obst und Kuchen stärkt mich so für den Tag, dass ich richtig mutig werde. Und so fahre ich allein los, allerdings im Bewusstsein, dass mindestens Pit und Annette noch hinter mir sind, ich also nicht verloren gehen kann. Belohnt werde ich für den Aufstieg (denn eine Auffahrt schaffe ich nicht) auf den Rorschacher Berg mit einer Fahrt durch eine Landschaft, die mich an meine Kindheit erinnert. Es ist wie am Niederrhein grün und flach und windig. Die weiten Wiesen sind unterbrochen von Birken und Pappeln (die es aber am Niederrhein noch häufiger gibt). Hinter Schilf mit Blick auf den See mache ich Rast. Ein kleiner Junge fährt vorbei und lacht sich scheckig über mich, denn oben auf der Banklehne sind nur noch meine winkenden nackten Füße zu sehen, weil ich mich ein wenig hingelegt habe.

Am Rheinarm verfahre ich mich ein Stück und treffe auf dem Rückweg zur rechten Strecke auf die restliche Gruppe.

Bei der nächsten Rast erleben wir dann eine besondere Vertreterin dienstleistungsorientierter Gastronomie. Bei mir stimmt die Größe des bestellten Getränkes nicht, die Schokolade für Tobias entpuppt sich als Ovomaltine und das ohne Sahne bestellte Eis versteckt sich unter Bergen genau dieser unerwünschten Sahne. Die freundlich vorgebrachten Reklamationen werden mit einem Blick quittiert, der Drachen töten könnte. (Übrigens wird dann im zweiten Anlauf das gleiche Eis gebracht, von dem man schlicht von oben die Sahne abgenommen hat!) Dennoch: der Eiskaffee ist sehr lecker und die Johannisbeerschorle absolute Spitzenklasse.

In Bregenz machen wir Mittagsrast im Hafenrestaurant. Wir genießen die Sonne und können kaum glauben, dass sich die Meteorologen so getäuscht haben. Bei der Weiterfahrt am Ufer entlang bahnen wir uns den Weg zwischen lauter mehr oder eher minder bekleideten Sonnenanbetern. Ja, dieser Sommer ist erst am Anfang seiner ästhetischen Zumutungen!

Lindau ist bald erreicht. Das Hotel erweist sich als zweckmäßig, aber nicht ganz so gediegen wie in der Schweiz. Aus meinem Zimmer schlägt mir intensiver Rauchgeruch entgegen. Von Öffnen des Fensters aber hält mich ein großes Warnschild ab. Gäbe es eine bessere Warnung für mich, als die vor eindringenden Spinnen? Sind diese Kleintiere doch meine natürlichen Feinde! Nach einem ausgiebigen Spaziergang, sehr leckerem Topfenstrudel und schönen Blicken auf den See spreche ich mit dem Hotelbesitzer über die Möglichkeit eines Matratzen- und Zimmerwechsels. Die Matratzen seien gerade neu gekauft und mittelweich (was mein Rücken ganz anders sieht, nun ja, ich bin pragmatisch und lege die butterweiche Matratze einfach auf den Boden). Und Raucherzimmer: Ja, man habe ja nur noch acht davon. Nun denn: Tausch? Nein, alle Nichtraucherzimmer belegt. Wo ich denn sei? Ach so, Nr. 18. Ja, das sei aber auch wirklich besonders schlimm! Mir kommen fast die Tränen über soviel einfühlsames Verständnis! Mit offenem Fenster in der Nacht geht’s dann aber besser als gedacht.

Das Abendessen in Lindau ist besonders schön. Wir sitzen an der Promenade und haben alles im Blick. Faszinierend, wie der Straßenkünstler nach wenigen Minuten die Menschen zum Anhalten und Zuschauen bewegt. Und wie die Menge auch nur kleinen Winken gehorcht und bis zu einer kreidegemalten Linie vorrückt. Dabei ist die Vorführung gar nicht mal sensationell. Aber unterhaltsam. Wir verspeisen unterdessen hausgemachte Nudeln.

Und das führt natürlich zu einem der wichtigsten Themen der Rundfahrt: Die Nudel an sich. Und dafür zeichnet Tobias verantwortlich. Sein Restaurant-Test beginnt in Kreuzlingen, wo er sich mit einem großen Teller Spaghetti („ohne Verzierung“ wie er sich in der nur Insidern verständlichen Sprache der Restaurant-Tester auszudrücken pflegt) für die Anstrengungen der Bodensee-Rundfahrt wappnet. In Rorschach beim Pizza-Bäcker geht er dann seiner zweiten Leidenschaft, dem Pizza-Margerita-Essen nach, nicht, ohne sich zum Nachtisch einen Teller mit Spaghetti („ohne Verzierung“) zu gönnen. Beeindruckend ist der Zuschauerin die absolute Konzentration, mit der er sich seinen jeweiligen Tätigkeiten widmet. Ob beim Lesen im Lustigen Taschenbuch, beim genussvollen Verspeisen von Pasta oder beim Musikhören über Kopfhörer: Man benötigt schon ein Megaphon, um seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu lenken. Da hat er sogar manch fernöstlichem Guru an Konzentrationsfähigkeit viel voraus! Unser Abendessen in Lindau muss für ihn ein kulinarischer Höhepunkt gewesen sein. Bestellte er doch von den hauseigenen Bionudeln glatt ein zweite Portion („ohne Verzierung“)!

Mir wird das Abendessen durch ein (oder etwa zwei und mehr?) leckeres Glas Bodensee-Wein verziert (danke Reto). Aber die eigentliche Zier des Abends ist die Bedienung, die aus Bremen stammt. Superfreundlich, schlagfertig und sehr geschäftstüchtig bringt sie Pit sogar sein Bier in den Zuschauerbereich des Straßenkünstlers. Sie ist die Ehrenrettung des Gastronomiegewerbes. Ein Hoch auf sie! Am Ende des Abends weiß ich nicht, ob ich den leichten Anflug von Muskelkater vom Radfahren oder vom Lachen habe.

Erste Abschiede führen zu einem wehmütigen Abschluss des Abends. Mariann muss am nächsten Morgen in die andere Richtung zurück. Außerdem beginnt es zu regnen. Und Regen begleitet uns dann den gesamten Pfingstmontag. Nach einem kurzen Frühstück fahre ich allein los. Unser für Bürokratie (leider meist zurecht) verschrieenes Deutschland zeichnet den Fahrradweg leider nicht so gut aus, wie die Schweiz und Österreich. Und so lande ich auf einer Landstraße, auf der Autos mit ziemlichem Tempo und unter Aufspritzen von viel Gischt an mir vorbeirasen. In Nonnenhorn gebe ich auf. Genug des starken Windes und des Regens. Am Landungssteg dann erst mal Geduld üben. Denn es ist noch unklar, ob das Schiff bei dem Sturm anlegen wird. Der Ticketverkäufer tröstet: Da kommt jetzt die „Auschtria“ und die Österreicher legen eigentlich bei fast jedem Wetter an! Was sie dann tatsächlich tun – für drei Passagiere! Respekt und Dank ans Nachbarland!

Auf dem Schiff treffe ich Klaus und Mario. Ab jetzt heißt es nur noch, sich nicht von der Tristesse des wolkenverhangenen Panoramas und des eintönigen Motorengeräuschs runterziehen zu lassen. In Konstanz hören wir, dass Annette und Vibhuta tatsächlich bis Meersburg gefahren sind (stramme Leistung, Mädels) und mit dem nächsten Schiff ankommen werden. So essen wir noch eine Kleinigkeit und packen dann ein. Das Rätsel, warum die Räder plötzlich nicht mehr wie auf der Hinfahrt alle ins Auto passen, werden wir wohl in diesem Leben nicht mehr lösen. Doch wo ein Wille, da ein Weg. Durch den strömenden Regen geht es heim nach Freiburg, nachdem wir Annette tränenreich verabschiedet haben.

Das war eine wunderschöne Tour. Bedauern gibt es bei mir nur darüber, dass es keine Gelegenheit gab, sich besser kennenzulernen. Andererseits fand ich es entlastend, dass trotz Gruppe viel Selbststeuerung möglich war. Vielen Dank an Pit fürs Organisieren. Meine Impressionen als Debütantin enden mit der Hoffnung, dass dies wirklich ein Auftakt war für weitere schöne Seerundfahrten!

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